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| Das aus der Wunde in Tontöpfe fließende Weichharz wurde gesammelt und
in die "Pechhütte" gebracht.
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"ii (2) Kreutzer Zinst jarlichen Merta Kellermann Walpurgis wegen seiner
Kolschutt vor dem heuthor so yhme von einem Erbarn Rath vorwiß und uff
widerunwiderruffen bei seinem Leben eingeräumbt worden. Actum den 7. Juli
anno im 83."
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| Diese Notiz des Jahres 1583 benennt erstmals die Selber Pechhütte und ihre
damaligen Bewohner. Hier wurde das Pech in kupfernen oder eisernen Kesseln
geschmolzen und durch Abschöpfen der Verunreinigung und Durchseihen der
geschmolzenen Masse gereinigt. In Kesseln, über denen eine Haube mit abführenden
Dunströhren angebracht war, wurde das Rohharz gekocht: das "Pechsieden".
Dabei verflüchtigte sich das Terpentinöl und das Wasser, welches im Dunstrohr
kondensierte und in einer Vorlage aufgefangen wurde. Das mit Wasser vermischte
Terpentinöl wurde in schmale, hohe Gläser gefüllt, wo sich das leichtere
Terpentinöl auf dem Wasser schichtete und ziemlich rein abgeschüttet werden
konnte. Das Terpentinöl wurde auch deshalb aus dem Pech entfernt, weil es
dem im gepichten Fass aufbewahrten Bier einen unangenehmen Geschmack verliehen hätte.
Das vom Terpentinöl befreite Pech war nach dem Erkalten eine dunkelgelbe
harte und spröde Masse, das so genannte Kolophonium.
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| Wie die Kessel in der Selber Pechhütte genau ausgesehen haben wissen wir nicht,
doch das Haus ist uns erhalten geblieben, auch wenn gerade die Pechhütten durch das
in ihnen ausgeübte Handwerk besonders feuergefährdet waren. Die Pechhütten lagen
außerhalb des Ortes. So auch in Selb, in südlicher Richtung an der Straße nach Hohenberg
am Berg auf der linken Seite nach den Kellern. Was damals vor dem Ort lag, gehört heute
fast schon zur Stadtmitte.
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| Erstmals im Laufe der Geschichte unserer näheren Umgebung begegnen wir dem
Gewerbe der Pecher, Picher, Pechscharrer und Theerbrenner, im Jahre 1368. In dieser
Zeit beschwerten sich die Egerer Bürger über den Burgherrn Albrecht Nothaft von
Thierstein, das letzterer unter anderem im Forst fünfzehn Pechöfen anlegen ließ und damit
dem Wald Schaden zufügte. Den Pechsiedern in den Selber Forsten wurde beispielsweise
aufgezeigt, wann und wie oft sie Bäume zur Harzgewinnung anzapfen durften, auch die
Auswahl der Bäume selbst wurde reglementiert. Der Bedarf an Pech scheint groß gewesen
zu sein, was auf regen Handel und Gewerbe schließen lässt.
Eine Pechsiederordnung für die Markgrafschaft erlangte im Jahre 1493 Gültigkeit.
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| Im Rahmen der Verkehrsplanung erwog die Stadt den Abbruch der Pechhütte.
Jedoch waren die Bemühungen des Fichtelgebirgsvereins, Ortsgruppe Selb, erfolgreich
und 1987 konnte der älteste Profanbau der Stadt erworben werden. In unzähligen
freiwilligen Arbeitsstunden verwandelten die Mitglieder der Ortsgruppe die
"Pechhütt´n" in ein Schmuckstück, dessen Nutzung als Vereinsheim dazu beiträgt,
Altes zu bewahren und Neues zu schaffen. Verlässt man die Pechhütte durch den
kleinen Anbau so liegt rechts am Gartentor ein großer Granitstein mit einer
konischen Vertiefung: Ein Pechstein, Pechpfanne, Schmierstein, Griebenherd,
Schmierofen oder Pechölstein genannt.
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| Bei der Wiederbelebung der Meilerei auf der Häuselloh bei Selb i. Bay.
1995 durfte auch dieser „kleine Bruder“ des Kohlenmeilers im Rahmen der Projektwoche
der Hauptschule Selb eine Auferstehung feiern. Mit einem im Schausteinbruch gefertigten
Duplikat des Pechsteins von Quellenreuth von 1826, wie vor der Pechhütte sollten erste
Versuche mit dieser alten Handwerkstechnik unternommen werden. Anregung dies zu
versuchen, gaben der vor der Pechhütte in Selb liegende Schaustein und die im Egertal
liegende Teufelsplatte. Besonders die regionale Verbindung zur Eisenverarbeitung im
Egertal mit den Rennöfen, den Pochwerken und Hammerwerken mit ihrem hohen Holzkohle-
und Schmiermittelverbrauch wollte man den Besuchern der Kulturlandschaft Häuselloh
vermitteln. Hat diese „Industrie“ doch zu ihrer Zeit die Struktur des Selber Forstes
stark geprägt. Bei der Suche nach Informationen wurde festgestellt, dass sich im
letzten Jahrhundert nicht viele Heimatforscher mit dem klebrigen Thema auseinandergesetzt
hatten. Die, die es getan hatten, berichteten von Erzählungen, wobei die Meinungen über
die Technik der „Theerbrennerey“ regional sehr differierten. Bekannt scheint das Verschwelen
des Holzes auf bearbeiteten Steinen in Europa hauptsächlich im Erzgebirge, Fichtelgebirge,
in der nördlichen Oberpfalz, der böhmischen Schweiz und in österreichischen Mühlviertel gewesen
zu sein. Über die Verbreitung von Pechsteinen, Pechölsteinen, Griebenherden oder Schmierofenplatten,
wie sie genannt werden, im Bereich der restlichen Oberpfalz und im Bayerischen konnten noch keine
Nachweise erbracht werden.
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Ohne dieses alte Handwerk hätte sich in unserer Region kein Wagenrad, keine Mühle und kein Hammerwerk
über einen längeren Zeitraum bewegt, kein Stiefel, keine Bütte, kein Boot und kein Fass dichtgehalten. Auch die
medizinische Anwendung zur Herstellung von Zugpflaster, Zugsalbe oder Hustensaft soll nicht vergessen werden.
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| Diese Hausmittel, Schmierstoffe und Dichtmaterialien wurden früher aus Pech, dem Harz der Kiefern
(pinus sylvestris) hergestellt. Dies war ein wichtiger Rohstoff, der auf Steinen der unterschiedlichsten
Formen gewonnen wurde. Bedingt durch die sehr mageren Informationen über die Praxis des Teerschwelens mit
den Steinen wurde beschlossen, dies im Experiment herauszufinden. Dabei zeigte sich, dass es die Steine in
den verschiedensten Formen gab und somit auch die Techniken unterschiedlich gewesen sein mussten.
Wir, d. h. die Arbeitsgruppe Teerschwelerei der Europäischen Natur- und Kulturlandschaft Häuselloh,
unterscheiden bei den Steinen grundlegend zwei Formen: Erstens: Steine die schräg liegen und bei denen das
Harz durch eine Rinne abfließt. Sie werden als Schmierofenplatten oder Pechölsteine bezeichnet.
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| im Fichtelgebirge wird nur vom inneren Schwelverfahren berichtet. In Österreich dürfte vorwiegend das
äußere Verfahren angewendet werden. Alle Steine wurden mit autothermer Prozessführung betrieben, das heißt,
das Reaktionsholz diente gleichzeitig zur Wärmeerzeugung. Der Herd schwelte dann unter starker Rauchentwicklung
vor sich hin. So wurde das Pech „auszuergn“, welches durch die Abflussrinne zur Außenkante oder zum Abflussloch
in der Mitte des Pechsteines und durch dasselbe in ein darunter gestelltes Auffanggefäß lief. Das Produkt des
Pechsteines war vielfältiger Natur. Vom wasserhaltigen ersten Ausfluss über den gelben Teer bis zu einer
schwarzen, zähflüssigen Masse, welche mit tierischen oder pflanzlichen Fetten vermischt, zum Schmieren der
Wagenräder diente. Aus diesem Grund findet man in den Regionen in der Umgebung von Hammerwerken und Mühlen
die meisten Pechsteine und Schmierofenplatten.
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| Die Aktivitäten im Bereich der „Theerbrennerey“ mit den Pechsteinen auf der Häuselloh, um hinter die
Geheimnisse dieser alten Handwerkskunst zu kommen, waren nicht unbekannt geblieben. Im Herbst 2002 meldete sich
Förster i. R. Edgar Günther aus Thierstein bei uns und berichtete von seltsamen Fundstücken in der Waldabteilung
Hohe Hau. Dort hatte ein an der Heimatgeschichte sehr interessierter Fuchs eine nicht genehmigte Grabung durchgeführt
und bearbeitete Steinbrocken mit Pechresten zu Tage gefördert. Die Grabungsfunde von „Herrn Fuchs“ ließen die
Vermutung zu, dass es sich hier um eine mittelalterliche Anlage zur Theergewinnung handelte, aber auf ihr standen
vierzig bis fünfzig Zentimeter starke Kiefern und Fichten. Die Vorplanungen für eine Grabung und der entsprechenden
Finanzierung von Archäologen durch Sponsoren, inklusive der notwendigen Genehmigungen durch die Behörden,
zog sich über einen Zeitraum von zwei Jahren hin.
Anlagen zur Theergewinnung auch Pech-, Schmier- oder Salbeöfen genannt waren vor der „Erdölzeit“ in ganz Europa
verbreitet. Die Eisenverarbeitung im Egertal mit den Rennöfen, den Pochwerken und Hammerwerken, hatte einen hohen
Schmiermittelverbrauch. Eine Herstellung auf den kleinen Pechsteinen dürfte hier nicht ausgereicht haben.
Für die Produktion von größeren Mengen wurden daher sogenannte Theer- oder Pechöfen gebaut. So mancher Ortsname
kündet heute noch aus dieser Zeit. Da es keinerlei Erdölprodukte gab, war man auf das Baumharz als
Hochleistungstemperaturschmiermittel angewiesen.
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| Schon nach einigen Tagen waren Mauerreste mit ca. einen Meter Wandstärke freigelegt. |
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| Am Ende der Grabung hatten die Schüler den größten bekannten Zweikammertheerofen Bayerns ausgegraben.
Zweikammeröfen wurden ab dem 13. Jahrhundert bis ins 20. Jahrhundert zur industriellen Gewinnung von
Holzteer vor allem in Ost- und Mitteleuropa verwendet.
Der Boden des Ofens besitzt eine konische Vertiefung mit Ablauf, über welcher eine Kuppel gemauert wurde.
Um diese wurde ein zweiter Mantel aufgezogen.. Wird hier nun das Innere mit Kienholz oder Buchenholz
befüllt und außen herum die Glut über ein Schürloch kräftig entfacht, beginnt die Trockendestillation.
Dann wird alle zwei Stunden minderwertiges Holz nachgelegt, wobei das Verhältnis ungefähr zwei Teile Schwelholz
und ein Teil Brennholz beträgt. Bei Beginn der sogenannten exothermen Phase ab 270° C, wenn also
Zellulose und Lignin sich verwandeln, entsteht der Holzteer und auch Holzgas. Das Holzgas unterstützt
jetzt den Verschwelungsprozess, indem es im Verbrennungsraum verbrennt. Durch die Rinne fließen dann in
bestimmter Reihenfolge, je nach Steigerung der Temperatur, die Produkte in das Auffanggefäß. Nach ungefähr
sechs bis sieben Tagen ist der Prozess im Teerofen beendet und er kühlt dann weitere 14 Tage ab.
Danach wird das Setzloch geöffnet und die Holzkohle herausgeholt.
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| Die Datierung der Keramikscherben führte uns zu Johann Christoph Weller.
Ein Teil des Egertales das Wellerthal trägt seinen Namen. Doch nicht nur hier erstreckte sich
Wellers Imperium, er war der größte Hammerherr im Fichtelgebirge.
Er wird 1647 im böhmischen St. Joachimsthal (heute Jachymov) geboren, um 1670 kauft Weller den
Rosenhammer bei Weidenberg und 1676 erwirbt er sämtliche Hammerwerke in Arzberg mit Schmelzofen
und Eisenbergwerke. Außerdem betreibt er das Hammerwerk in Lorenzreuth von 1676 bis 1680, dann legt er es still.
Er gründet in diesem Jahr eine Hammerwerkssiedlung mit Hochofen, mehreren Hammerwerken, Herrenhaus,
Eisenbergwerken, Ökonomie, Mühle, Schmiede und verschiedenen anderen Gebäuden im Wellerthal. Drei
Bergwerke auf Eisen bei Längenau (Selb) gehören zum Wellerthaler Hammerwerk.
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| Der Weißmain-Hochofen (heute Karches) wird von ihm 1702 gegründet und bis 1720 betrieben. Auch Zinn
baute er in der Nähe des Fichtelsees ab. 1706 erwirbt er das Hammerwerk Sophienthal mit Eisengruben in der Nähe von
Weidenberg. Um 1710 erwirbt er auch das Hammerwerk bei Weißenhaid und 1711 die Anlagen in Ottengrün. 1721 stirbt er
in Eger. Unschwer ist zu erkennen, dass ein Mann, der so viele Hammerwerke besitzt, auch einen großen Bedarf an
Schmiermitteln hat.
Daher dürfte der Theerofen in der Hohen Hau mit einem Durchmesser von 5 m voraussichtlich Johann Christoph Weller
zuzuordnen sein. Der erhaltene Mauerwerksteil ist noch 1,6 m hoch und die Wandstärke beträgt ca. 1 m.
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Nach diesen großen Erfolg in der Projektwoche 2005 haben die Schüler der Hauptschule
Selb in der Projektwoche 2007 das Projekt Theerofen ergänzt und bei der Versuchsanlage am Meilerplatz
auf der Häuselloh einen „sichtbaren“ Abschlusspunkt zu gesetzt.
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| Die Ofenruine, die ja jetzt als Wanderziel am Kaiserweg Bayern/Böhmen liegt, entstand auf der
Häuselloh bei den Pechsteinen etwas verkleinert aus Granitfeldsteinen und Lehm neu.
Mit dem Bau des Theerofens wurde ein Teil der Heimatgeschichte im Fichtelgebirge und in Böhmen, die
Schmiermittelgewinnung mit Pechöfen oder Theeröfen, der Bevölkerung und den Besuchern wieder zugänglich
gemacht. Sind doch solche Öfen schon in der Klageschrift im Jahre 1368 der Bürger zu Eger gegen Albrecht
Nothaft von Thierstein an Kaiser Karl IV. erwähnt.
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| Nun gab es bei den Pechsteinen solch eine „Theerbrennerey“ wie in den alten Beschreibungen,
aber ob diese auch funktionieren würde?
Schüler der 8. und 9. Klassen der AG-Technik wagten, unterstützt von der Arbeitsgruppe „Theerschwelerey“
der Europäischen Natur- und Kultur-landschaft Häuselloh, den ersten Versuch. Der Ofen wurde mit Kienholz
bestückt und vermauert. Dann begann der zweiwöchige Versuch. Vier-undzwanzig Stunden um die Uhr am Tag
ging der Betrieb. Die Dauer des Versuches bestimmte der Ofen. Um nicht in Zeitdruck zu geraden trafen sich
daher die Schüler dazu in den Sommerferien.
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| Wie die Temperaturkurve zeigt wurde dabei eine Höchsttemperatur von 438°C an der Innenwand
gemessen. Insgesamt wurden bis 2011 vier erfolgreiche Versuche mit dem Ofen durchgeführt. Der Theerfluss begann immer so um 200 °C, die Ausbeute war abhängig vom Harzgehalt des Kiefernholzes. |
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