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Countdown bis zum Meilerfest

Europäische Natur- und Kulturlandschaft Häuselloh

Individualisten in Aktion

Unser Ziel ist es Verständnis, Interesse und Mitgefühl für den Wald, die Natur und die dort in der Vergangenheit und in der Neuzeit arbeitenden Menschen zu wecken bzw.zu vertiefen. Dies zu veranschaulichen ist eine der Aufgaben des Vereins Europäischen Natur- und Kulturlandschaft Häuselloh. Doch bis zum heutigen Stand war es ein langer arbeitsreicher Weg. Die Entscheidung, dass die alten Gebäude des Paukerschen Steinbruches nicht abgerissen werden, sondern Schausteinbruch werden sollten, setzten eine Lawine von Aktivitäten zur Wiederinstandsetzung des gesamten Ensembles in Gang. Der Schausteinbruch wurde neben dem Häusellohmoor zur Keimzelle der Kulturlandschaft. Die alte Steinsäge und der Bruch wurden zum Förderobjekt des Naturparks Fichtelgebirge unter der Trägerschaft des Fichtelgebirgsvereins. Der Landkreis Wunsiedel und die Stadt Selb unterstützten die Arbeit mit ganz erheblichen Mitteln. Ohne Hans Popp als unermüdlicher Motor und vielen engagierten freiwilligen Helfern hätte das Ganze aber nicht wachsen können. 


Am 20. Juni 1993 konnte der Schausteinbruch als Freilichtmuseum eröffnet werden. Das Museum demonstriert eine einmalige Verbindung zwischen alter Technik und Natur. Es ist ein Bruch der mit der Natur Frieden geschlossen hat. Dabei konnte die alte Atmosphäre erhalten werden, die noch etwas ahnen lässt von der Mühe und Schinderei der Steinbrucharbeiter weit vor den damaligen Toren der Stadt Selb und den an der Steinsäge durchwachten Nächten, wenn ein Auftrag termingerecht erledigt werden musste. Das Interesse für die Darstellung alter Handwerkstechnik im Bruch durch die Bevölkerung ließ den Gedanken reifen auch alte Waldberufe wieder zu beleben. Die Individualisten standen der Idee die Geschichte des Selber Forstes mit der Eisenverarbeitung im Egertal und der damit verbundenen Darstellung der Köhlerei und Theerbrennerey offen gegenüber. So sollten diese alten Gewerbe wieder belebt und ein Meiler auf der Häusellohe errichtet werden.


Die an den Hauptschulen in Bayern zu dieser Zeit laufenden Fortbildungen über projektierten Unterricht und die Einführung von Projekttagen und Projektwochen boten die Möglichkeit, die Mädchen und Jungen der Hauptschule Selb bei den Vorbereitungen die alten Waldberufe dem Staub der Vergangenheit zu entreißen und wieder an das Licht der öffentlichkeit zu tragen mit einzubinden. Durch die Idee von Hans Popp die alten Waldberufe unserer Vorfahren wieder zu beleben wurde somit 1995 das mittlerweile zur Tradition gewordene Meilerfest geboren. Neben der Köhlerei durfte auch der kleine Bruder des Kohlenmeilers der Pechstein, im Rahmen der Projektwoche der Hauptschule, eine Auferstehung feiern. Es wurden die ersten Versuche der Teerschwelerei durchgeführt. Besonders die Verbindung zu den Hammerwerken im Egertal mit ihrem hohen Holzkohle- und Schmiermittelverbrauch konnte nun auf der Häuselloh gut vermittelt werden. Hat diese „Industrie“ doch zu ihrer Zeit die Struktur des Selber Forstes stark geprägt. Das Meilerfest auf der Häuselloh ist mittlerweile ein fester Punkt im Veranstaltungskalender der Selber Bevölkerung. Die vielfältigen Aktionen der Individualisten hatten eine Größenordnung erreicht die eine vereinsmäßige Organisation erforderte. So wurde 1999 der Verein Europäischen Natur- und Kulturlandschaft Häuselloh gegründet. Jahr für Jahr wuchsen die Aktivitäten auf der Häuselloh. Bis 2007 wurde die „Theerbrennery“ um einen originalen Pechstein und zwei Schmierofenplatten als Nachbau für die Versuche ergänzt. Auch entstand ein Nachbau des Wellerthaler Theerofens für die Versuche. Die Köhlerei besitzt nun feste Gebäude und die Anlage wurde für das Fest stetig erweitert. Mit der Ergänzung durch Kollergang, Verladewagen und Dieselmotor wuchs der Schausteinbruch kontinuierlich. Im Jahr 2015 wird der Verein von Hermann Summa als 1. Vorstand, Matthias Tietze als 2. Vorsitzender, Gabi Schöbel als Schriftführerin und Gigi Summa als Kassiererin geführt und er zählt 315 Mitglieder. Diese „Individualisten“ prägen mit ihren Aktivitäten ein besonderes Fest in der Region. Moor- und Steinbruchführungen, Meilerei, Theerbrennery und alte Handwerkstechniken helfen zielgerichtet vielen, insbesondere jungen Menschen, Gesetze und Kreisläufe der Natur zu verstehen. Sie bringen den nächsten Generationen lebendig und anschaulich die Geschichte ihrer Heimat näher. Mit der seit über fünfzehn Jahren durchgeführten Grenzweihnacht und der Errichtung der Grenzkapelle hilft der Verein, dass im Grenzraum Europa zusammenwächst. Wenn wir zurückblicken hat sich seit der Einweihung des Schausteinbruches 1993 vieles getan.